Evangelische Pfarrgemeinde A.B. Hartberg
 
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Kurzer Abriss der Geschichte
der Evangelischen Pfarrgemeinde Hartberg
seit 1948
Die Gründung der Evangelischen Gemeinde Hartberg erfolgte am 6. Juli 1948. Spuren der Evangelischen im Bezirk Hartberg sind bereits im 16. Jahrhundert nachweisbar.
Die Anfänge:
Jeweils am 31. Oktober jährt sich das Gedenken an den Kirchenreformer Martin Luther. Seine 95 Thesen, die er am selben Tag des Jahres 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg anschlug, richteten sich gegen Missstände im spätmittelalterlichen Klerus, die er als in deutlichem Gegensatz zu den Inhalten des Evangeliums stehend, heftig anprangerte. Die Reformvorschläge Luthers fanden bereitwillig Gehör
Die entscheidende Einsicht und Auslegung der Bibel, dass wir vor Gott nicht durch unsere Werke gerecht werden, so wichtig diese auch sind, sondern allein aus Gnade, allein durch sein Wort, allein durch Christus und somit allein durch unseren Glauben, wurde zum Kernstück der reformatorischen Theologie
Bereits ein Jahrzehnt nach dem öffentlichen Auftreten Martin Luthers zeigt diese landesweite Bestandsaufnahme, dass die reformatorische Lehre und Praxis nicht nur in Städten, sondern auch in manchen Landpfarren bereits Fuß gefasst hat.
Das Zentrum des Protestantismus in der Nordoststeiermark war von Beginn an die Herrschaft und Burg Thalberg, deren damaliger Besitzer Landeshauptmann (von 1523-1530) Sigmund von Dietrichstein den kirchlichen Neuerungen so sehr gewogen war, dass er für die Abhaltung regelmäßiger Gottesdienste seine nahe Friedberg gelegenen Burg zur Verfügung stellte. Von Thalberg strahlte der Einfluss vor allem nach Dechantskirchen und Vorau, wo er dem Stift sehr zu schaffen machte. Viele Kleriker verließen als Anhänger der Lehre Luthers das Stift, und als Probst Dr. Augustin Geyer am 23. November 1542 verstarb, hinterließ er nur einen einzigen Chorherren. Aber auch im Stift Pöllau nahm die Zahl der Geistlichen ab. Hier zählte man 1539 nur noch 3 Konventualen.
Während die von König Ferdinand I. eingesetzte Kommission die Stadt Hartberg am 12. Mai 1528 noch völlig katholisch vorgefunden hatte, war unter Stadtpfarrer Caspar Planck (1531-1561) und dessen Nachfolger ein Großteil der Bürgerschaft zum lutherischen Glauben gewechselt

Gegenreformation:
Was dann folgte, war eine unlösbare Verzahnung von Glaubensfragen und politischen Motiven, denn das Ringen der Protestanten um konfessionelle Anerkennung fand vor einem bewegten geistigen und politischen Hintergrund statt
Zudem war der Glaubensstreit in der Steiermark im 16. Jahrhundert wesentlich durch die Türkenabwehr beeinflusst. Die wiederholt notwendigen Maßnahmen zur Landesverteidigung überstiegen die finanziellen und militärischen Möglichkeiten der Landesfürsten. Dies führte u.a. zu Steuerforderungen an den evangelischen Adel, deren Erfüllung wiederum Religionskonzessionen nach sich zog
Das Augsburger Bekenntnis von 1530 wurde zur religiösen Grundlage der evangelischen Lehre, die reichsrechtliche Verankerung sollte den Protestanten der Augsburger Religionsfrieden von 1555 bringen. Dem Landesfürsten wurde die freie Wahl des Bekenntnisses zugesprochen (cuius regio, eius religio).
Als Ferdinand I. 1564 starb, war der Großteil des Adels wie des Bürgertums zur evangelischen Lehre gewechselt und diese begann auch in der bäuerlichen Bevölkerung Fuß zu fassen.
Erzherzog Karl II. (1564-1590) war bereits wenige Jahre nach seinem Regierungsantritt fest entschlossen, die Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens, wonach die Untertanen die Religion des Landesfürsten anzunehmen hatten, auch auf seine Länder anzuwenden. Damit begann die innerösterreichische Gegenreformation.
Doch die latente Türkengefahr zwang Karl II. zu Konzessionen, benötigte er doch die Unterstützung der evangelischen Adeligen zur Begleichung seiner Hofschuld. Dem Zwang der Verhältnisse nachgebend, gewährte er am 1. März 1572 den Herren und Rittern, sowie deren Untertanen die volle Religionsfreiheit. Dieses Zugeständnis wurde aber nicht gehalten
Als die evangelischen Landstände dem Landesfürst daraufhin ihre finanzielle Unterstützung versagten, berief Karl II. die Verordneten der drei Länder Innerösterreichs zu einem Landtag nach Bruck a. d. Mur ein, wo er erneut die Zugeständnisse aus dem Jahr 1572 bekräftigte, allerdings nur mündlich (Brucker Libell 1578).
Bereits wenige Monate nach dem Landtag zu Bruck begann auf nachdrücklichen päpstlichen Einfluss die schrittweise Zurücknahme der zugesicherten Religionsfreiheit, die mit der Rekatualisierung des Bürgertums ihren Anfang nahm.
Die Koordination der katholischen Gegenmaßnahmen und somit die Pläne zur vollständigen Vernichtung des Protestantismus in Innerösterreich wurden am 13. und 14. Oktober 1579 auf der Münchner Konferenz geschmiedet
In Graz wurden am Hof wie auch in der Regierung Protestanten durch Katholiken ersetzt, in den landesfürstlichen Herrschaften, Städten und Märkten wurde ausschließlich die katholische Religion erlaubt, Prädikanten wurden abgezogen und ständische Druckereien ebenso eingestellt wie bereits begonnene Kirchenbauten.
Ab 1584 erfasste die Gegenreformation auch die Oststeiermark. In Hartberg und Umgebung, das zu dieser Zeit überwiegend evangelisch war, enthob eine landesfürstliche Kommission, angeführt von Jeremias Prandter und Johann von Paar, Richter und Stadtrat ihres Amtes und vertrieb widerspenstige evangelische Einwohner aus der Stadt
Darüber hinaus hatte die starke Zunahme der Protestanten in Hartberg unter Pfarrer Weidacher (1574-1584) die Einsetzung von Pfarrer Johann Türk zur Folge, der 1584 im Namen des Erzbischofs installiert wurde, um für die Rekatualisierung der Stadt zu sorgen. Auch die Anwesenheit des Seckauer Bischofs Martin Brenner, der am 27. Juli 1588 den von den Türken im Jahr 1532 entweihten Hochaltar in der Kirche Maria Lebing neu weihte, dürfte im Sinne der Rekatualisierung eingesetzt worden sein, ebenso wie das Drängen von Stadtpfarrer Türk, die Stiftergründe nur an katholische Bürger zu vergeben.
Durch die Ausweisung der Prädikanten waren die im evangelischen Glauben standhaften Bewohner Hartbergs nun gezwungen, sich für Taufen oder Trauungen nach Graz oder Pinkafeld zu begeben.
Als am 10. Juli 1590 Erzherzog Karl starb, trat für die Evangelischen des Landes für kurze Zeit Erleichterung ein, denn sein ältester Sohn und Nachfolger Ferdinand II. (1596-1637) war erst 12 Jahre alt. Als Ferdinand die Regierung übernahm, war er entschlossen, die Gegenreformation im Sinne seines Vaters mit bisher noch nicht gekannter Konsequenz und fortzusetzen.
Es war im September 1598, als Ferdinand jene Dekrete erließ, laut welchen die Prädikanten aus allen Städten und Märkten abzuziehen seien.
Ab Oktober 1599 erfasste dann die Rekatholisierung in Form militärisch gedeckter Religions- Reformationskommissionen das ganze Land. Dieser Feldzug galt in erster Linie dem Bürger- und Bauernstand, darüber hinaus aber wurden Kirchen- und Gebetsräume zerstört, Friedhöfe eingerannt, und überall die abgeforderten protestantischen Bücher. Abgeschlossen wurde das Rekatualisierungswerk im Bezirk Hartberg durch die Reformationskommission im Jahre 1600, die, begleitet vom Seckauer Bischof Martin Brenner, das gesamte Land durchzog. Am 9. und 10. Juni 1600 wurden die Pfarrkirchen zu Neudau, Ebersdorf und Wörth mit katholischen Priestern besetzt. Am 11. Juni wurde Hartberg "reformiert". Damit war die Stadt wieder offiziell katholisch geworden und die Kommission, die alle Bürger eindringlich zu Glaubenstreue ermahnte, beschloss ihre Tätigkeit mit der Verbrennung von 120 lutherischen Büchern.
Viele steirische Bauern, aber auch Adelige aus nahezu allen österreichischen Ländern, die nicht zur katholischen Kirche zurückkehren wollten, siedelten zu jener Zeit in das benachbarte Ungarn, wo Religionsfreiheit herrschte. Aber auch Protestanten, die ihre Heimat nicht verließen und "geheim" an ihrem Bekenntnis festhielten, fanden sich zum Gottesdienstbesuch immer wieder in ungarischen Orten ein. Trotz fortwährender Unterdrückung konnten viele Protestanten unter dem Schutz ihrer Herrschaft bis 1628 im Land bleiben.
Nach der völligen Rekatholisierung des Bürger- und Bauernstandes schlug jedoch die Stunde für den Adel. Dass Ferdinand inzwischen auch mit den Stimmen der evangelischen Kurfürsten zum deutschen Kaiser gewählt worden war, hinderte ihn nicht, 1628 ein Generalmandat zu erlassen, welches die Ausweisung des protestantischen Herren- und Ritterstandes bis Ende 1629 verfügte, sofern die Betroffenen nicht bereit waren, innerhalb der Jahresfrist zur katholischen Kirche überzutreten. Von diesem vernichtenden Schlag betroffen waren auch viele oststeirischen Geschlechter, wie etwa Herberstein, Herbersdorf, Ratmannsdorf, Stubenberg, Rindscheit, Rottal oder Saurau, von denen einige Familien ihre Heimat verließen, die meisten es jedoch vorzogen, sich zum Katholizismus zu bekennen.
Um auch den Geheimprotestanten Einhalt zu gebieten, erfolgte am 8. November 1636 ein abermaliger scharfer Erlass des Landesfürsten, der dazu führte, dass nach seinem Tod am 15. Februar 1637 dem Protestantismus nicht nur in der Oststeiermark alle Lebensfähigkeit genommen war. Mochten auch noch vereinzelte Bekenner an ihrem Glauben festhalten, die Gegenreformation hatte gesiegt und in den folgenden Jahren hören wir nur noch vereinzelt von Protestanten.

Neubeginn:
Als nach dem Tod Erzherzog Ferdinands 1637 (Kaiser Ferdinand II.) durch dessen massives Vorantreiben der Gegenreformation, der Protestantismus in der Oststeiermark zerschlagen worden war, hätte niemand zu hoffen gewagt, dass in Hartberg noch einmal eine evangelische Gemeinde entstehen könnte.
Jedoch mit Kaiser Joseph II. (1780-1790) erfuhr diese durch einen Wechsel von Duldung und Verfolgung gekennzeichnete Geschichte der Protestanten einen grundsätzlichen Gesinnungswandel. Im Vertrauen darauf, dass eine allen christlichen Konfessionen zu gewährende freie Religionsausübung für Kirche und Staat von großem Nutzen ist, erließ er am 13. Oktober 1781 das Toleranzpatent und leitete damit eine Zeit ein, in der es wieder erlaubt war, evangelisch zu sein.
So weist die im Jahr 1880 durchgeführte Volkszählung denn auch 80 evangelische Bewohner im Bezirk Hartberg auf, meist Zuwanderer aus dem heutigen Burgenland.
Wie weite Teile der Ost- und Weststeiermark gehörte Hartberg ab der Mitte des 19.Jahrhunderts zum Pfarrsprengel Graz, von wo aus durch die enorme Diaspora allerdings nur eine sehr eingeschränkte geistliche Versorgung aufrecht erhalten werden konnte
Trotz spärlichen kirchlichen Lebens und einer bescheidenen Seelsorge in diesen Jahren blieb in den evangelischen Bürgern ein erstaunliches Maß an Glaubenstreue und Mut bestehen, welches schließlich dazu führte, dass am 25. Mai 1902 in Hartberg der erste evangelische Gottesdienst nach der Gegenreformation gefeiert werden konnte. Bescheiden, in der Wohnung von Tobias Navratil.
Auslöser für diesen Neubeginn nach fast 300-jähriger Unterbrechung war ein Friedhofsstreit. Wilhelm Navratil (+ 6.4.1902) sollte als Protestant nicht im allgemeinen Teil, sondern im sogenannten "Selbstmörderwinkel" des Hartberger Friedhofs bestattet werden. Wilhelm Navratil wurde daraufhin in beerdigt, was den Widerstand seines Vaters Tobias aber auch anderer Hartberger Bürger hervorrief. Bewegt vom Streben nach Anerkennung und Gleichstellung begann sich nach diesem Vorfall eine kleine, evangelische Gemeinschaft zu sammeln und ein mühseliges Ringen um Lebensraum für Veranstaltungen und würdige Begräbnisplätze begann.
Da kein anderes Lokal für die Abhaltung von Gottesdiensten zur Verfügung stand, stellte die Familie Navratil Wohnzimmer und Küche dafür bereit. Sehr bald reichten jedoch diese kleinen Räumlichkeiten nicht mehr aus, denn die Zahl der Gottesdienstbesucher wuchs mit jeder Zusammenkunft.
Es wurde aber bald nötig, einen neuen Gottesdienstraum zu suchen, doch kaum jemand war damals bereit, den Protestanten Zugeständnisse zu machen. Nach langem Suchen wurde es gestattet, im Hotel "Zur Post" im 1.Stock gegen eine monatliche Miete von 5 Kronen Gottesdienste zu feiern.
 
Pfarrer Wilhelm Ilgenstein von der Muttergemeinde Fürstenfeld kam ab November 1902 monatlich einmal nach Hartberg , um hier mit den Evangelischen Gottesdienst zu feiern
Im Jahr 1906 folgte auf Wilhelm Ilgenstein Pfarrer Richard Roth. Obwohl die Zahl der Evangelischen noch sehr gering war, herrschte dank seiner vielfältigen Ideen, die er zielstrebig verfolgte, bereits ein reges Gemeindeleben. Pfarrer Roth war auch bemüht, die Glaubensgenossen, die weit verstreut an der Bahnstrecke bis Friedberg, aber auch auf der ungarischen Seite der Lafnitz wohnten, zu sammeln und zum Gottesdienst einzuladen
Als eifrige Mitarbeiter in der Betreibung der Predigtstelle, die vor allem in selbstloser Weise Küsterdienste leisteten, standen ihm aber auch der Schneidermeister Anton Halwachs mit seiner Gattin Franziska zur Seite. Eine Familie, die Zeit ihres Lebens den Aufbau der Pfarrgemeinde Hartberg mitgetragen hat.
Mit Ausnahme der Festtage fanden die Gottesdienste an jedem ersten Sonntag im Monat statt. Zur Pflege des Kirchenliedes stand erfreulicherweise schon bald ein kleines Harmonium mit fünf Registern bereit. Während Brautpaare nur in der Kirche zu Fürstenfeld gesegnet werden konnten, fanden Taufen immer im jeweiligen Elternhaus statt, da man den Neugeborenen den weiten Weg zur Mutterpfarre nicht zumuten wollte. Für den allwöchentlichen Unterricht der evangelischen Kinder stellte der damalige Hartberger Bahnhofsvorstand seine Wohnung zur Verfügung.
Zwischen 1918 und 1923, eine von Armut, Not und Geldentwertung nach dem I. Weltkrieg geprägte Zeit, übernahm der Fürstenfelder Pfarrer Otto Kühne, vormals Pfarrer der evangelischen Pfarrgemeinde Triest, die geistliche Versorgung der Predigtstelle.
Von 1923-1931 stand den Hartbergern Ferdinand Gründler mit seiner reichen Erfahrung auf dem Gebiet der Gemeindeseelsorge zur Verfügung. In seine Wirkungszeit fällt auch die offizielle Gründung der Predigtstation Hartberg im Februar 1926. In den Jahren 1931-1936 betreute Gerhard Czerny die Predigtstation Hartberg
Nach dem frühen Tod von Pfarrer Gerhard Czerny übernahm von 1936 bis Februar 1941 Josef Wölfel und von 1941-1945 Pfarrer Wilhelm Henning die Betreuung der Predigtstation Hartberg.
Während der Zeit des 2. Weltkrieges konnte von einer kirchlichen Betreuung der Evangelischen im Bezirk Hartberg kaum die Rede sein. Es gibt aus diesen Jahren auch so gut wie keine schriftlichen Quellen über die Geschichte der Gemeinde. Auf Verordnung des steirischen Landesschulrates mussten sämtliche Lehrer Ende 1939 den Kantordienst zurücklegen und aus allen kirchlichen Ämtern austreten. Gemäß eines Erlasses war ab dem Schuljahr 1940/41 jegliche kirchliche Tätigkeit wie Gottesdienst, Konfirmanden- und Religionsunterricht sowie Bibelstunden nur noch in kircheneigenen Räumen gestattet, wodurch diese in Hartberg, wie in vielen anderen Orten auch, nicht mehr möglich war. Die mit einem nachfolgenden Erlass genehmigte Glaubensunterweisung in Privathäusern evangelischer Familien konnte hingegen kaum genutzt werden, da durch sie die gastgebenden Familien häufig unter Druck gerieten. Zudem waren in den letzten Kriegsjahren die meisten männlichen Gemeindemitglieder zum Kriegsdienst verpflichtet und ihre Angehörigen schwer mit Arbeit überlastet. Das kirchliche Leben war daher auch aus personellen Gründen sehr in Mitleidenschaft gezogen, wodurch selbst die selten gehaltenen Gottesdienste schwach besucht waren.
Am 26. September 1945 übernahm Pfarrer Franz Böhm nach seiner Entlassung aus britischer Gefangenschaft die Seelsorge in der Predigtstation Hartberg und mit ihr die schwere Aufbauarbeit der Nachkriegszeit. Sein erster Besuch im Pfarramt Fürstenfeld ergab jedoch kaum Informationen über evangelische Familien in Hartberg. Wer also sollte zu dem für den 14.Oktober 1945 angesetzten ersten Gottesdienst kommen? Es schien keine Gemeinde, keine Bibel, nicht einmal ein Gesangbuch zu geben.
Nach zweiwöchigem Suchen und Einladen fand sich aber doch eine gottesdienstliche Gemeinde von 16 Personen ein. Pfarrer Böhms unermüdlichem Hirtendienst ist es auch zu danken, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher stetig anstieg und am Heiligen Abend des Jahres 1945 bereits 73 Gläubige miteinander Weihnachten feierten. Viele, die in den vergangenen Jahren in ihrem Glauben heimatlos geworden waren, fanden wieder zurück. Nun wurde in Hartberg jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert, in Pöllau und Friedberg 14-tägig. Mit Hilfe der Frauenarbeit des Oberkirchenrates konnte in jedes Haus ein Neues Testament, ein Gesangbuch und der Katechismus gebracht werden.
Von Beginn an lehnte Pfarrer Böhm jedoch das Hotel "Zur Post" als Gotteshaus ab. Einem glücklichen Zufall ist es daher zu danken, dass er sehr bald Frau Halwachs kennen lernte, deren Haus in der Arbeitsamtgasse fortan als Bethaus zur Verfügung stand. Vorerst kam man in der Wohnstube der Familie Judmayer zusammen, bald aber im ersten Stock in einem eigenen Betsaal, der durch Zusammenlegung zweier kleiner Räume entstanden war.
Als am 2. Februar 1946 Frau Franziska Halwachs nach dem frühen Tod ihres Mannes, in einem Leibrentenvertrag ihre gesamte Liegenschaft, Ungarvorstadt 120 bestehend aus einem Wohnhaus und den dazugehörigen Flurstücken im Gesamtausmaß von 4 a 25 m2 an die evangelische Predigtstation A.B. Hartberg übergibt, besitzen die Hartberger Evangelischen endlich und erstmals ein kircheneigenes Haus.
Im August 1946 genehmigte der Evangelische Oberkirchenrat die Systemisierung (Errichtung) einer Pfarrvikarstelle für Hartberg, die bis zur Erhebung zur selbständigen Pfarrgemeinde bestand.
 
Verselbständigung zur Pfarrgemeinde
- 1948:
Der unermüdliche Gemeindeaufbau mündete schließlich in das von Senior i.R. D. Paul Spanuth und Superintendent Leopold Achberger unterstützte Ziel, die Predigtstation Hartberg zu verselbständigen. Die Entlastung der Muttergemeinde Fürstenfeld wog bei diesem Vorhaben ebenso schwer, wie eine zufriedenstellende Sicherung der evangelischen Seelsorge in der immerhin 936 km2 umfassenden Predigtstation Hartberg. In diesem Gebiet lagen damals 83 politische Gemeinden und 25 römisch - katholische Pfarren.
Dass eine Diasporagemeinde, die damals wie heute nur 0,7 % der Bevölkerung bildet und somit die zweitkleinste Gemeinde der gesamten Evangelischen Kirche in Österreich darstellt, eine eigene, starke Führungs- und Aufbaukraft benötigt und daher die Notwendigkeit der Verselbständigung besteht, bestätigten die Ende 1947 erhobenen Daten
Am 31. Dezember 1947 zählte die Predigtstation 391 Mitglieder, von denen durchschnittlich 60 am sonntäglichen Gottesdienst teilnahmen. Einzelne Gemeindeglieder nahmen dafür bis zu 5 Stunden Wegzeit auf sich. Weiters waren Ende 1947 insgesamt 97 evangelische Kinder, an 16 Orten in 21 Schulen zu unterrichten und obwohl wöchentlich nur für den Religionsunterricht 200-250 km zu Fuß oder per Rad zurückgelegt wurden, hatten 11 Kinder an 7 verschiedenen Schulen keine geistliche Betreuung. Zu dieser zeitaufwendigen Jugendarbeit kam noch die seelsorgliche Betreuung der vielen Kriegsflüchtlinge.
All dies war ausschlaggebend dafür, dass Hartberg am 1. Juli 1948 zur selbständigen Pfarrgemeinde ernannt wurde. Der neue evangelische Pfarrsprengel umfasst seither den gesamten politischen Bezirk Hartberg, ausgenommen die Gemeinden Neudau, Ober- und Unterlimbach, die auch weiterhin zur Pfarrgemeinde Fürstenfeld gehören.
Außer in Hartberg, wo an allen Sonn- und Feiertagen Gottesdienst gehalten wird, finden regelmäßige Gottesdienste auch in den Predigtstellen Friedberg, Vorau und Pöllau statt, die mit 4. Jänner 1950 seitens der Superintendentur Steiermark genehmigte Predigtstationen wurden. Pöllau bestand bis 1969, danach konnte durch die Abwanderung vieler dort ansässiger Evangelischer kein gottesdienstliches Leben mehr aufrecht erhalten werden.
Das große Ziel ist jetzt jedoch der Bau einer eigenen Kirche. Die Basis dazu legten das Lutherische Nationalkomitee und der Vorstand des Gustav Adolf - Hauptvereines, die der Pfarrgemeinde Hartberg zum Ankauf eines Kirchenbaugrundes je einen ansehnlichen Betrag spendeten. Daraufhin konnte bereits im März 1949 von Friseurmeister Rudolf Meissner und dessen Frau Maria ein Kirchenbaugrund im Ausmaß von 3.400 m2 in der Nachbarschaft des Bethauses gelegen, erworben werden. Wenn auch bis zum ersten Spatenstich noch Jahre vergehen sollten, so ist die Freude und Genugtuung über die stetige Weiterentwicklung der Gemeinde trotz bescheidenster finanzieller Mittel groß.
Für die Verwirklichung dieser Baupläne war die Gemeinde selbst jedoch finanziell zu schwach und die Gesamtkirche konnte ihre Unterstützung nicht zusagen, da eine ganze Reihe dringender, auch kriegsbedingter Aufgaben anstanden
Mit September 1949 übernahm Pfarrer Böhm seine frühere (1938-1945) Pfarrgemeinde Oberwart und verließ Hartberg. Vorübergehend führte Vikar Erwin Schneider aus Wien das Pfarramt, ehe von Oktober 1950 bis Oktober 1958 Pfarrer Wilhelm Stritar Hirte der Gemeinde wurde.

War das Schaffen von Pfarrer Böhm und Vikar Schneider vom grundlegenden Neuaufbau geprägt, so gestaltete sich die Zeit von Pfarrer Stritar als eine der inneren Sammlung und Festigung der Gemeinde, der er mit viel Liebe und großem Einsatz nachging.
Da der ursprünglich angekaufte Bauplatz wahrscheinlich zu schmal gewesen wäre, um darauf einen würdigen Kirchenbau errichten zu können, kam es der Pfarrgemeinde sehr entgegen, dass durch den Bau der neuen Wechselbundesstraße sowie der geplanten Errichtung einer weiteren Häuserzeile durch die Siedlungsgemeinschaft "Neue Heimat" ein umfangreicher Grundtausch möglich wurde. Hierbei erhielt die Pfarrgemeinde das jetzige annähernd quadratische und ebene Grundstück in der Stefan Seedoch - Allee, sowie eine an das Bethaus angrenzende Wiesenfläche.

Bau der Jesus Christus Kirche:
Erst am 1. März 1961 konnte vom Oberkirchenrat Vikar Heinz Klettke nach Hartberg bestellt werden, der hier bis November 1964 wirkte. Seine Zeit ist wesentlich gekennzeichnet durch den Bau der schlichten JESUS CHRISTUS KIRCHE in der Stefan Seedoch – Allee.
Nach viel Mühe und Sorgfalt bei den Vorarbeiten, der Anfertigung und Genehmigung der Pläne und der Beschaffung der notwendigen finanziellen Mittel konnte für Pfarrer Klettke die anstrengende Arbeit des Kirchenbaus beginnen.
Bei der Planung fand Frau DI Waltraud Kolb mit ihrer gediegenen, in durchsichtiger Klarheit aufgebauten Konstruktion die allgemeine Zustimmung. Demnach sollte ein rechteckiger, West - Ost orientierter Baukörper mit hohem Glockenträger und einfachem Satteldach errichtet werden.
Die kleinteiligen rechteckigen und quadratischen Felder aus Betonmaßwerk verleihen der zentralen Südfassade eine lebendige Struktur, während der Wechsel von verglasten und geschlossenen Flächen für viel Helligkeit im Kircheninneren sorgt
Nach der Vergabe der Baumeisterarbeiten an die Firma Singer konnte am 16. Juli 1961 mit den Bauarbeiten begonnen und noch im selben Jahr der Rohbau fertiggestellt werden.
 
Im Inneren entstand ein schlichter aber heller Kirchenraum, der durch eine Schiebetüre mit dem Gemeindesaal verbunden, bei Bedarf jederzeit vergrößert werden kann. Die über dem Gemeindesaal befindliche Empore bietet neben Platz für die Orgel auch zusätzliche Sitzplätze. Die um zwei Stufen erhöhte Altarzone birgt in gleichwertiger Stellung auch Kanzel und Taufbecken und wird ostseitig von einem über die gesamte Raumhöhe reichenden Glasfenster dominiert. Dieses von August Raidl, Graz, entworfene und in der Glasmalereiwerkstätte Schlierbach gefertigte Fenster zeigt in kräftigen Farben und Formen den auferstandenen Christus als Herr aller Welten, wie sie in den großen geschwungenen Linien mit den Gestirnen Sonne und Mond symbolisiert sind. A und O zu seinen Seiten weisen auf Anfang und Vollendung und um sein Haupt strahlt in kräftigem Rot der Feuerglanz der Herrlichkeit Gottes. Sieben weiße Felder stehen für die Gaben Gottes, das grüne Feld zu Füßen Christi symbolisiert die Erde.
Buntfarbig setzt dieses Fenster einen Kontrast zum schlichten Holzkreuz an der ungegliederten nordseitigen Altarwand. Von dem aus Kärnten stammenden evangelischen Bildhauer und Bildschnitzer Erich Unterweger gefertigt, lässt es, reduziert auf geometrische Formen, erst bei genauerer Betrachtung den eingetieften Corpus des Gekreuzigten erkennen.
Erst als am 1. Oktober 1965 Alfred Gühring aus Stuttgart, seinen Dienst in der Gemeinde aufnahm, zunächst als Pfarrhelfer neben Administrator Jauernigg, ab 1967 als Pfarrer, kam wieder Beruhigung ins Gemeindeleben.
In den Jahren 1969 - 1971 wurde unter Pfarrer Gühring das Pfarrhaus dazugebaut.
 
Ab 1. September 1980 war es Gerhard Böhm, der zur Ehre Gottes und zum Segen der Gemeinde in Hartberg diente.
Ein reges und vielseitiges Gemeindeleben kennzeichnen sein Wirken und aus einer Fülle von Einzelinitiativen entstanden Gemeinschaften, die zum Teil noch heute bestehen. Dazu zählen unter anderem der wöchentliche Hausbibelkreis in Privathäusern (ab 1984) der Hausfrauenkreis (seit 1988), der Jugendkreis (seit 1988), der Jugendliche regelmäßig zum Bibellesen und Musizieren im Gemeindesaal zusammenführt und die ebenfalls seit 1988 bestehende "Band". Zu Michael Lattinger, Rudolf Waron jun., Thomas Fleckl, Reinhard Hinrichs, Thomas Dietrich, Wolfgang Schönwetter und Martin Chalupecky gesellten sich ab 1990 mit Hannelore und Ulrike Trattner, Claudia und Sabine Schönwetter, Gertraud und Ingrid Hinrichs auch Mädchen und Frauen. Unter der Leitung von Gerhard Leitner und später Ingrid Hinrichs war und ist diese Gruppe in dankenswerter Weise immer wieder bereit, den Gottesdienst musikalisch zu bereichern und mitzugestalten. Ebenso Robert Schöck, der mit Gesang schon viele Male feierliche Anlässe unterstrich.

Gemeindesaal:
Ein größerer Gemeindesaal war notwendig geworden. Allen voran sollte für die sonntäglichen Kindergottesdienste, die bisher immer in der Pfarrwohnung stattfanden, ein würdiger und heimeliger Raum geschaffen werden. Dieser Erweiterungsbau wurde von DI Helmut Hütter den Bedürfnissen der modernen Gemeindearbeit entsprechend geplant und bietet heute von der Kinder- und Jugendarbeit bis zu den Senioren allen eine geistliche Heimat. Architektonisch gesehen verschmilzt dieser Zubau mit Kirche und Pfarrhaus zu einem Gemeindezentrum.
Nach der Übersiedlung Pfarrer Böhms nach Völkermarkt war es Pfarrer Friedrich Meister, der von September 1992 bis August 1994 in Hartberg wirkte Aus dem Umfeld der Verfolgung und politischen Unterdrückung Siebenbürgens kommend war Hartberg jedoch eine große Herausforderung. Unterschiedliches Gedankengut, Wertigkeiten und letztendlich auch gesellschaftliche Normen standen sich gegenüber und ließen beide Seiten erkennen, wie sehr unsere geistliche Geborgenheit auch in der Tradition ruht
Am 1. September 1994 kam Pfarrer Robert Eberhardt als Pfarrer nach Hartberg.
Mit seiner feierlichen Amtseinführung am 6. November 1994 durch Superintendent Ernst Christian Gerhold war die Segnung des neuen Gemeindesaales verknüpft. Mit diesen Räumlichkeiten, die ihre Türen auch sozialen Anliegen gerne öffnen, ist es gelungen, einen wichtigen Beitrag zur geistlich - seelsorglichen Betreuung der Bevölkerung der Stadt und des Bezirkes zu leisten.

Martin Luther-Platz
1998 ist noch ein weiterer Schritt zur Erneuerung und Verschönerung unserer Kirche geschehen. Der Kirchplatz wurde umgebaut, die Zufahrtswege so verändert, dass nun wieder ein direkter Zugang zum Kircheneingang möglich wurde. Im Zuge dessen wurde auch der Name des schönen Platzes rund um die Kirche geändert und heißt nun „Martin Luther-Platz“. Durch großzügige Zuwendungen von Seiten der Stadtgemeinde und der Stadtwerke wurde es möglich, dass unser Kirchplatz auch eine Beleuchtung bekam, die täglich von den Stadtwerken gesteuert wird. Die Einweihung des neuen Martin Luther-Platzes nahmen wir im Rahmen des Steirischen Gustav-Adolf-Festes im Juni 1998 unter Mitwirkung des Bürgermeisters, HR.Mag.Manfred Schlögl und dem Katholischen Pfarrer Mag. August Janisch vor.

 

Das Presbyterium bei der 50-Jahr-Feier 1998
 
Beim Gustav-Adolf Fest im Juni 1998 entstand auch unser Gemeinde – Logo, von der Kuratorin Rosemarie Pichler entworfen und gestaltet – und inspiriert durch das Lied: „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“.
 
 
Große Ereignisse
Im Mai 2002 feierten wir „100 Jahre Evangelischer Gottesdienst in Hartberg“.
Im Mai 2008 feierten wir „60 Jahre Evangelische Pfarrgemeinde A.B. Hartberg“ mit einem Festgottesdienst, bei dem Bischof Michael Bünker die Predigt hielt.

 
Leitung der Pfarrgemeinde Hartberg:
Von 1902 bis 1948 war Hartberg eine Predigtstation der Pfarrgemeinde Fürstenfeld. Am 1.Juli 1948 erfolgte die Erhebung zur selbständigen Pfarrgemeinde.
1902 - 1906
Wilhelm Ilgenstein
 
1906 - 1918
Richard Roth
 
1918 - 1923
Otto Kühne
 
1923 - 1931
Ferdinand Gründler
 
1931 - 1936
Gerhard Czerny
 
1936 - 1941
Josef Wölfel
 
1941 - 1945
Wilhelm Henning
 
1945 - 1949
Franz Böhm
 
1949 - 1950
Erwin Schneider
 
1950 - 1959
Wilhelm Stritar
 
 
Vom 12. Juli 1959 bis 1. März 1961 blieb die Pfarrstelle Hartberg vakant
 
1961 - 1964
Heinz Klettke
 
1965
Gerhard Fischer
 
1965 - 1980
Alfred Gühring
 
1980 - 1992
Gerhard Böhm
 
1992 - 1994
Friedrich Meister
 
1994 - 2002
Robert Eberhardt
 
2002 - 2003
ohne Pfarrer
 
2003 - 2004
Marc Hecky
 
seit 1. 9. 2004
Barbara Schildböck
 
Genauere Informationen und jede Menge Bildmaterial finden Sie in der Festschrift der Evangelischen Gemeinde Hartberg, die jedoch derzeit leider vergriffen ist. Informationen auch per e-mail




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